{"id":1514,"date":"2020-10-07T20:42:23","date_gmt":"2020-10-07T18:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/?p=1514"},"modified":"2020-12-23T09:04:59","modified_gmt":"2020-12-23T08:04:59","slug":"1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-im-buergerforum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-im-buergerforum\/","title":{"rendered":"1 Jahr Fairtrade-Stadt Geldern &#8211; Vortrag im B\u00fcrgerforum"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1495\" src=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/09\/geldern-ankuendigung-vhs-veranstaltung-in-kooperation-mit-dem-weltladen-foto-herrmann-300x245.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/09\/geldern-ankuendigung-vhs-veranstaltung-in-kooperation-mit-dem-weltladen-foto-herrmann-300x245.jpg 300w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/09\/geldern-ankuendigung-vhs-veranstaltung-in-kooperation-mit-dem-weltladen-foto-herrmann-768x628.jpg 768w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/09\/geldern-ankuendigung-vhs-veranstaltung-in-kooperation-mit-dem-weltladen-foto-herrmann.jpg 939w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/>\u00a0 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1515\" src=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/10\/geldern-1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-frank-herrmann-01a-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/10\/geldern-1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-frank-herrmann-01a-300x169.jpg 300w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/10\/geldern-1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-frank-herrmann-01a-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/10\/geldern-1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-frank-herrmann-01a-768x432.jpg 768w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/10\/geldern-1-jahr-fairtrade-stadt-geldern-vortrag-frank-herrmann-01a.jpg 1260w\" sizes=\"auto, (max-width: 337px) 100vw, 337px\" \/><br \/>\nFrank Herrmann zu Gast in Geldern<\/p>\n<p><strong>Fairtrade &#8211; Wo geht die Reise hin?<\/strong><\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des ersten Jahrestages der Zertifizierung Gelderns als Fairtrade-Stadt fand am 5. Oktober im B\u00fcrgerforum eine Vortragsveranstaltung statt. Die VHS hatte in Kooperation mit der Stadt und dem Weltladen Frank Herrmann, Sachbuchautor und Experte in Sachen Fairtrade eingeladen. Thema seines Vortrags war: \u201eDie einen schuften, andere verdienen \u2013 Fairer Handel am Scheideweg\u201c.<\/p>\n<p>Nach den Begr\u00fc\u00dfungen durch B\u00fcrgermeister Sven Kaiser und Hubertus Heix, Vorsitzender der Steuerungsgruppe, stellte Sonja Vieten, Leiterin der VHS, Frank Herrmann in einer Kurzbiografie vor.. Der Betriebswirt hat \u00fcber 20 Jahre in Mittel- und S\u00fcdamerika, wo er als Entwicklungsexperte und Reiseleiter t\u00e4tig war, gelebt. Journalistisch bet\u00e4tigt er sich als Co-Autor des Einkaufsratgebers \u201eFair einkaufen \u2013 aber wie?\u201c. Sein Buch \u201eFAIRreisen \u2013 Handbuch f\u00fcr alle die umweltbewusst unterwegs sein wollen\u201c wurde 2017 mit dem ITB BuchAward f\u00fcr das beste touristische Fachbuch ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Seine Ausf\u00fchrungen begann Frank Herrmann mit dem Aufenthalt in Guatemala im Rahmen seines Auslandsstudiums. Dort lernte er wirklich kennen, was Armut hei\u00dft. In authentischen Lebensbeschreibungen von <strong>Kaffee<\/strong> erzeugenden Kleinbauern zeigte er auf, wie sie in Abh\u00e4ngigkeit von einem Zwischenh\u00e4ndler diesem und den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt ausgeliefert waren. Insofern war es wichtig, dass sich die Kleinbauern in Kooperativen zusammengeschlossen haben, um eine gewisse Selbstvermarktung, eine Exportlizenz und eine Handelspartnerschaft in den USA zu erm\u00f6glichen. Allerdings haben nur 10-15 % der Kooperativen, die sich fairtrade zertifizieren lassen, auch wirklich einen Abnehmer gefunden, so dass sie gezwungen sind, den gr\u00f6\u00dften Teil der Kaffeebohnen doch wieder extremst billig zu verkaufen.<br \/>\nDabei sorgt der Faire Handel im Gegensatz zu den gro\u00dfen Weltkonzernen f\u00fcr Transparenz, wie sich die Kosten und Erl\u00f6se beim Kaffee aufteilen. 24 % gehen an den Handelserzeuger, 8 % sind f\u00fcr Import und Verarbeitung, 18 % Steuer und Lizenzen, 25 % an den Fairhandelspartner z.B. Gepa und 25 % an den Gro\u00df- und Einzelhandel. So wird Kaffee also in Deutschland doppelt besteuert, weil die Mehrwertsteuer noch oben drauf kommt.<br \/>\nKaffee als Exportware geh\u00f6rt zu den 5 am meisten exportierten Handelswaren. Der Kaffeekonsum in Deutschland ist mit 162 L pro Kopf und Jahr am h\u00f6chsten, dann folgen Bier und Wasser. Nur 6,7 % des Kaffees sind fairer Kaffee, davon \u00be\u00a0 auch bio.<\/p>\n<p>Bei der weltweiten <strong>Kakaoerzeugung<\/strong> (14 Mio Menschen leben von der Kakaoernte) zeigt sich gerade in Westafrika (Sierra Leone und Elfenbeink\u00fcste als Haupterzeuger) eine \u00e4u\u00dferst bedenkliche Situation. Da als Kostenanteil nur 6 %\u00a0 bei den Erzeugern verbleiben (Anteil der Superm\u00e4rkte 35 % !!!) ist die Existenznot so gro\u00df, dass Kinderarbeit wieder enorm zugenommen hat. 10J\u00e4hrige m\u00fcssen mit Macheten bei der Ente helfen und verletzen sich nicht selten dabei. So wurde ein eigenes Fairtrade Cocoa Programm mit einem neuen Zeichen aufgelegt, bei dem es im Produkt ausreicht, wenn nur der Kakao fairtrade ist, w\u00e4hrend die anderen Zutaten wie Zucker etc. konventionell sein k\u00f6nnen. So haben die zertifizierten Bauern einen h\u00f6heren Absatz und Gewinn. Das Dilemma ist allerdings, dass die Supermarktketten mit diesem neuen Siegel den Anschein eines hohen Fairtradeanteils erwecken und ihrerseits die Gewinne durch die billigen Zusatzstoffe enorm steigern. Au\u00dferdem ist der Bioanteil in diesen Produkten gleich 0 !<\/p>\n<p>Weltweit werden die Rohstoffe f\u00fcr viele Produkte zu 70 % von Kleinbauern erzeugt. Sie leiden in diesen Zeiten besonders stark unter dem <strong>Klimawandel<\/strong>, der <strong>Corona-Krise<\/strong> und der <strong>Globalisierung<\/strong>. Sie haben keinerlei Unterst\u00fctzung bei Ernteausf\u00e4llen, bei Krankheit und dem stockenden Absatz. Die Armut wird so gro\u00df, dass die Abwanderung in die St\u00e4dte zunimmt und damit den Gro\u00dfkonzernen noch mehr an zerst\u00f6rerischer Landgewinnung erm\u00f6glicht wird. Der Faire Handel muss das Mittel der Politik werden, will man die Gerechtigkeit im Welthandel nicht weiter mit F\u00fc\u00dfen treten. Auch wenn der Umsatz mit Fairtrade-Produkten steigt, so liegt er in Deutschland immer noch unter 1 %. Die Pro-Kopf-Ausgabe in Deutschland betr\u00e4gt 25 Euro, in der Schweiz 77 Euro.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war das Thema <strong>\u201eFair einkaufen \u2013aber wie?\u201c<\/strong>.<br \/>\n\u2026 fair und regional: Ziel muss es sein, beide Eigenschaften zu ber\u00fccksichtigen. Regionale Produkte k\u00f6nnen<br \/>\ndurch faire erg\u00e4nzt oder damit kombiniert werden, z.B. Apfel-Mango-Saft oder<br \/>\nSchokolade mit fairem Kakao und Bio-Milch aus der Umgebung.<br \/>\n\u2026 fair und bio: sollte zusammengeh\u00f6ren.<br \/>\n\u2026 fair aber sinnvoll: Die Nachhaltigkeit endet da, wo faire Produkte aufw\u00e4ndig verpackt sind.<br \/>\nAuch bei fairen Produkten ist auf die Zusammensetzung der Bestandteile zu achten.<br \/>\nZuviel Fett und Zucker schaden der Gesundheit.<br \/>\n\u2026 fair zum Klima: Transportwege gerade per Flugzeug, aber auch per Schiff weisen insgesamt eine<br \/>\nschlechte CO<sub>2<\/sub>-Bilanz auf. Technische L\u00f6sungen f\u00fcr die Transportmittel sind gefragt.<br \/>\nRosen aus Kenia z.B. haben vor allem im Winter eine bessere CO<sub>2<\/sub>-Bilanz als Rosen aus<br \/>\nkonventionellem energetisch aufw\u00e4ndigem Anbau in Gew\u00e4chsh\u00e4usern.<br \/>\n\u2026 faire Discounter? Unternehmen wie Lidl haben dem fairen Handel einen gro\u00dfen Schub gegeben. Per se<br \/>\nsind Discounter aber nicht fair, weil die Gewinnmaximierung immer an erster Stelle<br \/>\nsteht und der Anteil der fairen Produkte am Gesamtsortiment sehr klein ist. Mit billigen<br \/>\nKopien betreibt man Greenwashing, Lockangebote unter dem Erzeugerpreis sollen<br \/>\nKunden in die Gesch\u00e4fte locken und binden.<br \/>\nDer Faire Handel wird hier eher als Marketingmasche zu verstehen sein. Andererseits<br \/>\ntr\u00e4gt er aber auch als nachhaltiges Instrument ein wenig f\u00fcr eine gerechtere Welt bei.<br \/>\nDas <strong>Fazit<\/strong> muss also sein: Fair einkaufen \u2013 Ja! Aber der Verbraucher sollte differenziert die Erzeugung der Ware im Auge behalten.<\/p>\n<p>Am Ende stellte Frank Herrmann kurz weitere faire Bereiche vor: faire Mode, faire Geldanlage, faire Elektronik, fairer Tourismus.<\/p>\n<p>Angesichts der Weltlage sollten wir nicht in Panik verfallen. Der Verbraucher ist mit seiner Kaufentscheidung wichtig f\u00fcr eine bessere Welt, allein kann er aber nicht das Korrektiv im Welthandel sein, politische Rahmenbedingungen und Einflussnahme geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frank Herrmann war im Rahmen seines Aufenthaltes in Geldern auch in der <strong>Liebfrauenschule<\/strong>, um mit Sch\u00fclern der Realschule und des Berufskollegs zum Thema Fairtrade zu diskutieren.<br \/>\nEinen Artikel dazu k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/www.lfs-berufskolleg-geldern.de\/cms\/?p=16319\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Frank Herrmann zu Gast in Geldern Fairtrade &#8211; Wo geht die Reise hin? 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