{"id":2227,"date":"2022-09-21T10:42:17","date_gmt":"2022-09-21T08:42:17","guid":{"rendered":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/?p=2227"},"modified":"2022-09-21T10:45:32","modified_gmt":"2022-09-21T08:45:32","slug":"besuch-aus-nicaragua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/besuch-aus-nicaragua\/","title":{"rendered":"Besuch aus Nicaragua"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auftakt zur Fairen Woche mit Vortrag in der VHS<\/strong><\/p>\n<p><strong>Besuch aus Nicaragua<\/strong><\/p>\n<p>Jens Klein, Kaffeeimporteur und Lieferant unseres \u201eDe Geldersc he LandLebenKaffee\u201c, und Jolver Mendoza Hernandez aus Nicaragua vom Kooperativenverband UCA Minaflor waren zu Gast in Geldern. In einer <strong>Vortragsveranstaltung<\/strong> der VHS, die in Kooperation mit dem Weltladen durchgef\u00fchrt wurde, beleuchteten sie den fairen und \u00f6kologischen Kaffeeanbau in Nicaragua, die Vorteile einer Kooperative gegen\u00fcber dem Zwischenhandel und die Transportwege der Kaffeebohnen (Stichwort: Segelkaffee). Dar\u00fcber hinaus stellten sie ein neues Modell hinsichtlich des Kaffeeeinkaufs im Sinne des \u201esolidarischen Prinzips\u201c vor.<\/p>\n<p>In einer filmischen Einf\u00fchrung erl\u00e4uterte Jens Klein die von ihm gegr\u00fcndete Genossenschaft <strong>Caf\u00e9 Chavalo<\/strong>, die es sich zur Aufgabe macht, den fairen Handel von Kaffee aus Nicaragua nicht nur zu f\u00f6rdern, sondern dar\u00fcber hinaus in vielf\u00e4ltiger Weise die partnerschaftliche Teilhabe der Kleinbauern und Produzenten zu st\u00e4rken. So werden nicht nur\u00a0 garantierte Liefervertr\u00e4ge und Mindestpreise mit Pr\u00e4mien (bis zum dreifachen des Weltmarktpreises) gezahlt, sondern auch Unterst\u00fctzung im biologischen Anbau, in der nachhaltigen Bewirtschaftung und bei der Weiterverarbeitung geleistet. Auf diese Weise werden die Lebensbedingungen der Familien in jeder Hinsicht verbessert. Zudem erlauben die extra bezahlten Pr\u00e4mien die Errichtung z.B. von Schulen und die Verbesserung der Infrastruktur der d\u00f6rflichen Gemeinschaft. Somit \u00fcberwiegen die <strong>Vorteile<\/strong> einer Genossenschaft bei weitem im Vergleich zu den sog. Zwischenh\u00e4ndlern, die f\u00fcr sich eine h\u00f6here Gewinnspanne erzielen wollen, die Preise dr\u00fccken und keinen Beitrag zur F\u00f6rderung des sozialen Lebens einer Dorfgemeinschaft beitragen. Voraussetzung all der Leistungen einer Kooperative ist nat\u00fcrlich die Schaffung eines stabilen Absatzmarktes hier in Deutschland und anderswo. Jens Klein erkl\u00e4rte, dass nicht die vollst\u00e4ndige Kaffeebohnenernte unter Fairtrade-Bedingungen exportiert werden kann, dass aber immerhin bis zu 65% des Kaffees des Kooperativenverbandes UCA Minaflor\u00a0 fair gehandelt wird.<\/p>\n<p>Jolver Mendoza\u00a0 beschrieb in seinem Teil des Vortrags , wie wichtig so ein <strong>Kopoerativenverband<\/strong>, dem zurzeit 400 Mitglieder und 250 Kaffeeproduzenten angeh\u00f6ren, f\u00fcr jeden Kleinbauern ist. Neben dem Betrieb von Baumschulen und der Bereitstellung von Saatgut sorgt er u.a. auch f\u00fcr Stipendienprogramme und Schulmaterial f\u00fcr Kinder. Auch in der Corona-Pandemie wurden Hilfen bereitgestellt: Lebensmittelpakete, Hygieneprodukte, Kurse zu Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen. \u00a0Weitere Unterst\u00fctzung in Krisenzeiten sind \u00a0z.B. die Beschaffung von Trockenzelten f\u00fcr die Kaffebohnen als Ma\u00dfnahme gegen den Klimawandel.<\/p>\n<p>Der <strong>Kaffeeanbau<\/strong> an sich ist als Kolonialerbe zu verstehen. Die Kaffeepflanze war nicht heimisch in diesen Regionen. Heute existiert gutes Saatgut, das im klimatischen Jahresrhythmus Regen und Trockenzeit gute Ertr\u00e4ge erm\u00f6glicht. Setzlinge werden 6-8 Monate lang kultiviert, nach 3 Jahren k\u00f6nnen dann die Kaffeebohnen geerntet werden, 10-12 Jahre lang. Erntezeit ist von November bis Februar, wobei in Abschnitten die jeweils reifen Fr\u00fcchte mit der Hand(!) gepfl\u00fcckt werden. Ein Kaffeestrauch liefert Bohnen f\u00fcr etwa 1 Packung Kaffee.<\/p>\n<p>Der <strong>Transport<\/strong> der Kaffeebohnen bis zur R\u00f6sterei hier in Deutschland stellt aus \u00f6kologischer Sicht ein gro\u00dfes Problem dar. Die Lieferung des Kaffees \u00fcber Container ist heute die kosteng\u00fcnstigste Alternative. Doch die gesamte Containerschifffahrt erzeugt mehr CO<sub>2<\/sub>-Emissionen als die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Der Aussto\u00df an Feinstaub, Stickoxiden, Schwefeldioxid, Ru\u00df etc. ist gewaltig. Zudem entziehen sich Reedereien durch Ausflaggung ihrer Verantwortung und sorgen somit f\u00fcr schwierige Arbeitsbedingungen an Bord der Schiffe. Dass es auch anders geht, hat Jens Klein gezeigt, indem er einen Teil seines importierten Kaffees per Segelschiff und damit ziemlich klimaneutral transportieren l\u00e4sst. Sein Prinzip dabei ist, nachhaltige Produzenten und verantwortungsvolle Konsumenten miteinander zu verbinden. Der sog. \u201eSegel-Kaffee\u201c erf\u00fcllt die Voraussetzungen\u00a0 f\u00fcr ein nachhaltiges, klimafreundliches Produkt. Allerdings ist der Preis h\u00f6her, weil die Transportkosten deutlich h\u00f6her sind: Transport im Container 026 Euro \/ kg\u00a0 &#8211; Transport im Frachtsegler ca. 5,- Euro \/ kg. Um den Kaffeeanbau auch neutraler zu gestalten, erfolgt ein Ausgleich \u00fcber ein Aufforstungsprojekt mit den Kaffeebauern. Der Segel-Kaffee von Caf\u00e9 Chavalo ist bio \u2013fair \u2013gesegelt. Der Preis beim Einkauf vor Ort liegt rund 30% \u00fcber dem Fairtrade-Level.<\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden Teil des Vortrags erl\u00e4uterte Jens Klein ein neues Modell f\u00fcr den Kaffeeeinkauf, das als Pilotprojekt \u201ewir.kaffee\u201c geplant ist. Im Sinne des Prinzips einer \u201esolidarischen Landwirtschaft\u201c erstellt der Produzent bzw. die Kooperative eine Kostenkalkulation f\u00fcr das Jahr. Auf dieser Grundlage kauft sich der Exporteur ein und erh\u00e4lt Ernteanteile. Je nach Ertragslage sind diese mal h\u00f6her, mal geringer. Dieses Modell bedeutet f\u00fcr den Bauern garantierte Einnahmen schon <strong>vor <\/strong>der Ernte und damit h\u00f6here Einnahmen als beim Weltmarktpreis und auch h\u00f6here als bei Fairtrade.<\/p>\n<p>Der Vortrag, der durch Lieder von Jolver, begleitet mit seiner Gitarre, aufgelockert wurde, zeigte den Teilnehmern der Veranstaltung anschaulich und eindr\u00fccklich auf, wie partnerschaftlich der \u00a0faire Handel ist, der die kleinb\u00e4uerlichen Produzenten mit Respekt und Teilhabe auf Augenh\u00f6he begegnet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2228\" src=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/P1055904a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"306\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/P1055904a-300x200.jpg 300w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/P1055904a-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/P1055904a-768x512.jpg 768w, https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/P1055904a.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/> \u00a0\u00a0Foto: \u00a9 Manfred Austrup<br \/>\nSonja Vieten, Leiterin der VHS und Hubertus Heix vom Weltladen (r.) bedanken sich bei Jens Klein und Jover Mendoza f\u00fcr den informativen und die Hintergr\u00fcnde des fairen Kaffeeanbaus beleuchtenden Vortrag<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auftakt zur Fairen Woche mit Vortrag in der VHS Besuch aus Nicaragua Jens Klein, Kaffeeimporteur und Lieferant unseres \u201eDe Geldersc&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":2229,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2227","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neuigkeiten","category-6","description-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2227"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2230,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2227\/revisions\/2230"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fair-rhein.de\/geldern\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}