Im Weltgarten auf der Landesgartenschau 2020 bildete sich eine Gruppe, die ab Juli einen festen Laden in der Kirchstraße öffnet. Es ist nicht nur ein klassischer Weltladen, sondern bietet auch Getränke to Go und Mode. Die Aktiven suchen noch Mitstreiter.

Im Schaufenster liegen schon Packungen mit Kaffee und Tee, Kekse, Honig und Schokolade, die klassischen Lebensmittel in einem Weltladen. Doch der neue Weltladen, der gerade an der Kirchstraße zwischen Altmarkt und Wallzentrum einzieht, bietet noch mehr. Erstaunt sieht der Betrachter im zweiten Fenster zwei Schaufensterpuppen mit modischer Kleidung. Faire Kleidung ist ein immer stärker werdender Trend, mit dem sich heute viele Konsumenten gegen Fast Fashion und Billigmode wenden. Fairtrade Fashion kommt ohne Kinderarbeit und Ausbeutung aus. Es werden gerechte Löhne gezahlt und viele der Produkte sind bio-zertifiziert. Dafür will sich auch die Moerser Gruppe einsetzen. Modisch, nachhaltig und fair passen heute gut zusammen. Der Weltladen wird weiterhin Kunsthandwerk, Körbe, Lederwaren und anderes mehr im Sortiment führen. Damit die Besucher ihren Einkauf genießen können, soll es einen Ausschank to Go mit Kaffee, Tee, Kakao und Kaltgetränken geben. An zwei Tischen vor dem Laden kann man Platz nehmen und sein Getränk mit Keksen und Süßigkeiten aus dem Laden genießen.
Die Idee, in der Moerser Altstadt einen solchen Laden zu eröffnen, hatten die Aktiven, die von Mai bis Oktober 2020 bei der Landesgartenschau 2020 den Weltgarten öffneten. In und um ein weißes Halbkugelzelt, das zwischen dem großen Förderturm des Bergwerks „Friedrich Heinrich“ und der Hochschule in Kamp-Lintfort lag, brachten sie Kindern, aber auch Erwachsenen mit praktischen Beispielen nahe, wie sich zum Beispiel der CO-2-Ausstoß oder das Konsumverhalten in den Ländern der nördlichen Hemisphäre auf das Leben der Menschen in der südlichen Hemisphäre auswirkt.
Dazu konnte der Verein zur Förderung des fairen Handel(n)s, kurz „fair|rhein“, der von Kamp-Lintfort aus knapp 100 Weltgruppen und Weltläden am Niederrhein beliefert, 45 Ehrenamtliche gewinnen, die jeweils mehrere Stunden im Weltgarten Besuchern den Eine-Welt-Gedanken nahebrachten, aber auch nachhaltigen und fair gehandelten Kaffee verkauften sowie für ein Gespräch bereitstanden. Einige waren schon zuvor in Eine-Welt-Gruppen- oder Eine-Welt-Aktionen am Niederrhein engagiert gewesen. Andere liebäugelten bereits mit der Eine-Welt-Idee, stießen aber erst mit dem Weltgarten hinzu, wie beispielsweise Beate Schieren-Ohl, die Leiterin der Volkshochschule Moers/Kamp-Lintfort.
„Wir haben uns überlegt, was wir nach der Landesgartenschau machen“, berichtet die Moerserin vor der Erdmännchen-Figur „FairWin“, die vor einem Jahr im Weltgarten in Kamp-Lintfort stand und jetzt im Weltladen in Moers als Maskottchen mit dem Motto „Fair gewinnt“ dient. So wurde der Gedanke geboren, in Moers einen Weltladen zu eröffnen. Da soll es dann auch wieder Bildungsarbeit zu den Themen Nachhaltigkeit und Fairer Handel geben. Die Bedingungen dazu sind zurzeit optimal. Die Landesregierung legte das Sofortprogramm Innenstadt auf, das von der Wirtschaftsförderung der Stadt Moers unterstützt wird.
„Unsere Vermieterin verzichtet auf 30 Prozent der Einnahmen“, erläutert Lutz Hartmann als Vorstand im „fair/rhein“ dieses Programm. „Das Land beteiligt sich an den Kosten und die Stadt gibt einen Zuschuss. So zahlen wir die ersten beiden Jahre nur gut 20 Prozent der ursprünglichen Miete. Dann hat der Weltladen sich komplett selbst zu tragen.“ Hinzu kämen die Nebenkosten für das Geschäft von 60 Quadratmetern Verkaufs- und 60 Quadratmetern Nebenfläche, die als einstige Modeboutique hochwertig ausgestattet seien. „Wir sind der Stadt und der netten Vermieterin für das Entgegenkommen sehr dankbar. Ohne das hätten wir den Start wohl nicht gewagt.“ so Lutz Hartmann.
So hat der „fair|rhein“ finanziell Luft, die Anfangsphase zu überbrücken, in der sich ein neues Geschäft bekannt zu machen hat, seinen Warenbestand anlegt und noch nicht viel umsetzt. „Moers bietet als Stadt mit über 100.000 Einwohnern ausreichend Kaufkraft für einen Eine-Welt-Laden“, sagt Klara- Menzel-Schmeer. „Ein Weltladen in exponierter Lage ist gleichzeitig eine Auszeichnung für die Fairtrade Town Moers. Er unterstreicht auch den Anspruch, diesem Siegel nachzukommen.“
Sie koordiniert mit Ingrid Hartmann den Einsatz der ehrenamtlich Engagierten. „Wir sind gut zehn Personen“, erzählt die Hombergerin. „Ideal wären 20 bis 30. Immer zwei Personen sind eingeteilt, am besten zwei, die sich gut verstehen. Eine Schicht dauert drei Stunden. Die Mitarbeiter im Weltladen sollen offen und freundlich sein. Wir suchen außerdem Aktive mit Organisationstalent, die Freude bei der Disposition, Beschaffung und Auslieferung haben. Ferner suchen wir Mitarbeiter, die gut dekorieren und Waren präsentieren können. Wir bereiten alle auf die Aufgaben vor und arbeiten sie ein. Teamfähigkeit ist uns sehr wichtig.“

Lage: Der Weltladen liegt an der Kirchstraße 5 zwischen dem Altmarkt und dem Wallzentrum. Ab Anfang Juli hat er von Montag bis Freitag von 10:30 bis 18:30 Uhr geöffnet und samstags von 10:30 bis 16 Uhr. Der genaue Eröffnungstermin steht noch nicht fest.

Mitarbeiter: Der Eine-Welt-Laden wird vom Verein zur Förderung des fairen Handel(n)s am Niederrhein e.V. getragen. Er sucht noch ehrenamtliche Mitarbeiter für unterschiedliche Aufgaben, zum Beispiel Verkauf, Disposition und Lieferung zu den Kunden. Neue Mitarbeiter werden eingearbeitet. Interessenten können sich melden bei: Klara Menzel-Schmeer, Telefon 02066 4167 17, Email , oder Lutz Hartmann, Telefon 0151 6701 0697, Email lutz.hartmann@fair-rhein.de.

 

Pressemitteilung von Peter Gottschlich