Termin : Fr, 14.01.2022 bis 16.01.2022

Jahrestagung Entwicklungspolitik, 14. – 16. Januar 2022 in Münster:

Die Pandemie als Zäsur – Gelingt der Wandel zu einer gerechteren Welt?

Die Corona-Pandemie war und ist eine Zäsur für viele Menschen: bei uns und im Globalen Süden. Wir haben mehr Gemeinsinn, aber auch mehr nationalen und persönlichen Eigennutz erlebt. In Rekordzeit gab es einen Impfstoff – aber die Verteilung ist weltweit extrem ungerecht. Es gab positive Folgen für das Klima, gekoppelt aber mit negativen Folgen z. B. für die Menschen in vielen Entwicklungsländern, die vom Tourismus leben. Es gab mehr Wertschätzung für regionale Produktion, aber auch große wirtschaftliche Probleme für Produzent:innen in weltweiten Lieferketten. Einige Veränderungen waren und sind nur kurzfristig, andere werden bleiben. Was können wir und andere Akteure tun, um die Zäsur zu nutzen – für eine globale Gesundheit, nachhaltigen Tourismus, für eine faire Wirtschaft und mehr regionale Wertschöpfung? Welche Rolle wird China in Zukunft spielen? Welche Akteure werden den notwendigen Wandel hin zu mehr Gerechtigkeit befördern, wer wird ihn blockieren? Wie können wir uns einbringen?

Vor diesem Hintergrund nimmt die 40. Jahrestagung Entwicklungspolitik verschiedene Akteure und Interessen in den Blick. Auch in diesem Jahr bilden die Arbeitsgruppen und Workshops das Zentrum der Tagung, dort wollen wir verschiedene Einzelfragen in diesem Kontext und darüber hinaus bearbeiten. Wir freuen uns, dass wir dafür wieder zahlreiche Expertinnen und Experten gewinnen konnten.

Die konkreten Auswirkungen der Pandemie auf unsere Tagung sind derzeit noch nicht absehbar: Das Schutz- und Hygienekonzept der Akademie und die gebotene Vorsicht werden womöglich nur eine geringere Teilnehmendenzahl und ein begrenztes Angebot ermöglichen – dennoch freuen wir uns, dass die Jahrestagung als Präsenzveranstaltung stattfinden kann und laden Sie herzlich ein.

Katja Breyer, Judith Wüllhorst, Judith Klingen, Georg Knipping, Dr. Christian Müller (Akademiedozent)
(Vorbereitungsgruppe der Arbeitsgemeinschaft Eine-Welt-Gruppen)

 

Programm

Freitag, 14. Januar 2022

  • bis 18.00 Uhr Anreise und Stehkaffee
  • ab 18.00 Uhr Abendessen
  • 19.30 Uhr Die Welt im Krisenmodus. Konsequenzen für den globalen Süden
    (Jens Martens, Global Policy Forum, Bonn)
  • 21.00 Uhr abendliche Freizeit

Samstag, 15. Januar 2021

  • ab 07.30 Uhr Frühstücksbuffet für Übernachtungsgäste
  • 09.00 Uhr Die Menschheit als “globale Familie”. Altruismus und Egosimus in der Eine-Welt-Arbeit
    (Pfr. Ludger Ernsting, Gastkirche Recklinghausen)
  • 10.00 Uhr Information über Arbeitsgruppen und Workshops

10.30 Uhr: Arbeitsgruppen und Workshops:

  1. Anders wirtschaften: Ein Planspiel zur Gemeinwohlökonomie
    (Tobias Daur, lands, Münster)
  2. China als Akteur im Globalen Süden
    Bereits seit den 1950er Jahren ist die Volksrepublik China als entwicklungspolitische Akteurin im Globalen Süden aktiv. Seit der Reform- und Öffnungspolitik haben sich die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen in andere Teile Asiens, nach Afrika und Südamerika vervielfacht. Staats- und Privatunternehmen folgen zunehmend auch zivilgesellschaftliche Organisationen aus China „hinaus“ in die Welt, chin. zou chuqu 走出去. In diesem Workshop schauen wir auf Chinas Entwicklungshilfe, die Entwicklungsbehörde CIDCA und die Rolle der Zivilgesellschaft.
    (Joanna Klabisch und Christian Straube, Stiftung Asienhaus, Köln)
  3. Corona und Klimawandel: Eine neue Schuldenkrise?
    2020 und 2021 waren Jahre der Extreme. Nicht nur wegen COVID-19: Verheerende Extremwetterereignisse trafen Länder aller Kontinente. Ob Überschwemmungen in Bangladesch oder Hurrikane über Honduras: Meist sind gerade die Länder am stärksten betroffen, die nur wenig zum Klimawandel beitragen. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden sind immens. Doch viele der betroffenen Länder sind hoch verschuldet. Sie können nicht gleichzeitig ihre Schulden abbauen und in den notwendigen Wiederaufbau investieren. Hinzu kommt die durch COVID-19 bedingte Wirtschaftskrise. Die Zahl der Länder, die ihren Schuldendienst nicht mehr leisten können, nimmt besorgniserregend zu. Interaktiv wollen wir uns dem Zusammenspiel globaler Verschuldung mit Pandemie und Klimakrise als Thema der Globalen Gerechtigkeit gemeinsam nähern. Was muss geschehen, damit diese Staaten einen Weg aus der Schuldenfalle finden? Welche Akteure sind beteiligt? Und wie geht es den Menschen in den betroffenen Ländern? Dieser und weiterer Fragen nehmen wir uns gemeinsam an.
    (Kristina Rehbein, erlassjahr.de, Düsseldorf)
  4. Impfgerechtigkeit und globale Gesundheit
    Corona hat die Welt erschüttert und wie in einem Brennglas deutlich gemacht, wie wichtig globale Gesundheit ist und wie notwendig es wäre, dass Gesundheit als Menschenrecht global umgesetzt wird. Im WS wird die gegenwärtige Situation zu Corona und dem Stand der weltweiten Impfkampagne vorgestellt werden. Dazu wird das Thema Globale Gesundheit in diesem Zusammenhang beleuchtet werden und welche Rolle christliche Gesundheitsarbeit heute noch spielt, damit alle Menschen, unabhängig von Alter oder Herkunft Zugang zu Gesundheit bekommen. Dabei wird die Frage (bei hohem Interesse auch in Gruppen) diskutiert werden, was Zivilgesellschaft, Kirche und Politik tun müsste, um das Ziel einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung zu erreichen.
    (Dr. Gisela Schneider, Difäm, Tübingen)
  5. Solidarität konkret leben: Wie können wir aktiv werden?
    z. B. mit der Orangen-Aktion: In Italien werden afrikanische Migrant*innen ausgebeutet – meist von Kleinbäuer*innen, die wiederum unter dem Preisdruck von Supermarktketten stehen. Sie müssen ihre Orangen für einen Preis verkaufen, der kaum die Kosten für das Pflücken abdeckt. SOS Rosarno in Kalabrien zeigt, dass es anders geht: Der Verein stellt den direkten Kontakt zwischen Bauern, Arbeitern und Einkaufsgemeinschaften her. Zwischenstufen des Handels werden ausgeschaltet. So erhalten Arbeiter und Bauern einen fairen Preis und können in Würde leben. Zudem unterstützt SOS Rosarno die Flüchtlingsarbeit der Waldenser Kirche – das Projekt „Mediterranean Hope“. In der Arbeitsgruppe stellen wir die die Hintergründe und Anliegen der Orangen-Aktion vor, geben Tipps, wie diese im Weltladen, in der Gemeinde und anderen Orten praktisch umgesetzt werden kann und stellen Bildungsmaterialien und Aktionsideen vor.
    (Georg Knipping und Katja Breyer)
  6. Klima, Kleidung, Kreatives – Ideen für junge Eine-Welt-Aktionen am Beispiel „Exit Fast Fashion“
    Fast Fashion heizt den Klimawandel an, verschmutzt die Umwelt und beutet Menschen aus. In diesem interaktiven Workshop überlegen wir gemeinsam, wie Eine-Welt-Gruppen Jugendliche unterstützen können, zu dem Thema aktiv zu werden. Welche Aktionsformen gibt es? Was ist dafür nötig? Und wie kriegen wir die Idee nach außen kommuniziert? Diesen Fragen wollen wir zusammen auf den Grund gehen.
    (Miriam Albrecht, MöWe, Dortmund und Judith Klingen, fair|rhein, Kamp-Lintfort)
  7. Ein anderer Tourismus ist nötig und möglich!
    Interaktiver Vortrag und Diskussion: Jeder 10. Arbeitsplatz weltweit hängt mit dem Tourismus zusammen – doch Arbeitsausbeutung, Klimawandel und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung und ihrer Kultur sind ständige Begleiterscheinungen des globalen Tourismus. Wie gelingt es, das eigene Reisen wirtschaftlich tragfähiger, ökologisch schonender und kulturell sensibler zu gestalten? Welche Rolle haben Politik und Unternehmen bei der Transformation des Tourismus und wie lässt sich Tourismuskritik zeitgemäß in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit positionieren.
    (Antje Monshausen, Brot für die Welt/ Tourism Wacht, Berlin)
  • ab 12.30 Uhr Mittagessen
  • 15.00 Uhr Arbeitsgruppen, 2. Durchgang
  • ab 18.00 Uhr Abendessen
  • 19.30 Uhr 40 Jahre Jahrestagung: Ein Kessel Buntes
  • 21.00 Uhr abendliche Freizeit

Sonntag, 17. Januar 2021

  • 07.30 Uhr Frühstücksbuffet
  • 09.00 Uhr Gottesdienst im Oscar-Romero-Saal
  • 09.45 Uhr Wege aus der Krise: Welche Rolle haben Staat, Zivilgesellschaft und Kirchen? Podiumsgespräch mit
    Michael Plesch, BMZ, Berlin | Dr. Claudia Lücking-Michel, agiamondo, Köln | Dr. Pedro Morazán, ehemals SÜDWIND
  • 11.15 Uhr Kaffee / Tee
  • 11.45 Uhr Auswertung und Informationen der Arbeitsgemeinschaft
  • 12.30 Uhr Mittagessen und Tagungsende

 

>> Anmeldung hier


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